Weiße Tauben, die nach dem Ja-Wort in den Himmel aufsteigen — dieses Bild hat etwas zutiefst Romantisches. Kein Wunder, dass Hochzeitstauben seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Hochzeitsbräuchen gehören. Doch bevor ihr euch für dieses wunderschöne Ritual entscheidet, gibt es einiges zu wissen und zu beachten.
Die Symbolik der weißen Taube
Die Taube als Symbol begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Bereits in der biblischen Geschichte war es eine Taube, die Noah nach der Sintflut einen Olivenzweig brachte — als Zeichen dafür, dass das Wasser zurückging und neues Leben möglich war. Seitdem steht die Taube weltweit als Symbol für Frieden, Hoffnung und Neuanfang.
Doch die Symbolik geht noch weiter: Tauben sind von Natur aus treue Tiere. Sie leben in monogamen Partnerschaften und bleiben ihrem Partner ein Leben lang treu. Genau das macht sie zum perfekten Symbol für eine Hochzeit — sie stehen für Treue, Liebe und lebenslange Verbundenheit.
Darüber hinaus galten Tauben in vielen Kulturen als Symbol für Fruchtbarkeit. In der griechischen Mythologie waren sie der Liebesgöttin Aphrodite geweiht, und auch im Römischen Reich wurden Tauben mit Liebe und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Wenn also ein Taubenpaar gemeinsam in den Himmel aufsteigt, vereint dieses Bild all diese wunderschönen Bedeutungen.
Brieftauben — keine gewöhnlichen Tauben
Was viele nicht wissen: Bei Hochzeitstauben handelt es sich um speziell trainierte Brieftauben. Diese Tauben besitzen einen ausgeprägten Orientierungssinn und finden zuverlässig den Weg zurück zu ihrem Heimatschlag — selbst über große Entfernungen. Sie werden nicht einfach in die Luft geworfen und ihrem Schicksal überlassen, sondern fliegen gezielt nach Hause.
Das bedeutet auch, dass ihr nicht irgendwelche weißen Tauben kaufen und selbst aufsteigen lassen könnt. Es müssen ausgebildete Brieftauben sein, die den Rückweg kennen. Alles andere wäre Tierquälerei, denn gewöhnliche Zuchttauben hätten in der freien Natur kaum eine Überlebenschance.
Einen seriösen Züchter finden
Die Wahl des richtigen Züchters ist das A und O, wenn ihr Hochzeitstauben einsetzen möchtet. Ein seriöser Züchter zeichnet sich durch mehrere Merkmale aus:
Er kennt seine Tiere genau und kann euch erklären, wie die Tauben trainiert werden. Er wird euch vorab Fragen zur Location stellen — denn nicht jeder Ort eignet sich für einen Taubenaufstieg. In der Nähe von Greifvogelstationen, dichten Waldgebieten oder bei schlechtem Wetter wird ein verantwortungsvoller Züchter den Einsatz ablehnen.
Paragraph 11 Tierschutzgesetz als Qualitätsmerkmal
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Genehmigung nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes. Diese Genehmigung benötigt jeder, der gewerbsmäßig Tiere zur Schau stellt oder für solche Zwecke zur Verfügung stellt. Ein Züchter, der über diese Genehmigung verfügt, hat nachgewiesen, dass er die nötige Sachkunde besitzt und seine Tiere artgerecht hält.
Fragt bei eurem Züchter gezielt nach dieser Genehmigung. Wer sie nicht vorweisen kann, sollte kritisch hinterfragt werden. Die Genehmigung ist ein verlässliches Zeichen dafür, dass der Züchter professionell arbeitet und das Wohl der Tiere an erster Stelle steht.
Tierschutz geht vor Romantik
So wunderschön das Bild aufsteigender Tauben auch ist — das Wohl der Tiere muss immer an erster Stelle stehen. Hier einige wichtige Punkte, die ihr beachten solltet:
- Wetter: Bei Regen, starkem Wind, Nebel oder extremer Hitze sollten keine Tauben fliegen. Ein guter Züchter wird den Einsatz bei schlechtem Wetter von sich aus absagen.
- Tageszeit: Tauben orientieren sich am Tageslicht. Ein Aufstieg sollte daher nur bei ausreichend Helligkeit stattfinden — späte Abendstunden sind ungeeignet.
- Entfernung: Die Location sollte nicht zu weit vom Heimatschlag der Tauben entfernt sein, damit die Tiere sicher nach Hause finden.
- Umgebung: Hochhäuser, Stromleitungen oder Greifvögel in der Nähe können für die Tauben gefährlich werden.
Ablauf am Hochzeitstag
In der Regel bringt der Züchter die Tauben in speziellen Transportboxen zur Location und betreut sie vor Ort. Nach der Trauzeremonie — meist direkt nach dem Ja-Wort oder dem ersten Kuss — werden die Tauben gemeinsam vom Brautpaar in die Luft entlassen. Oft werden zwei Tauben vom Brautpaar selbst gehalten und weitere Tauben gleichzeitig aus einer Box freigelassen, die das Paar auf seinem Weg begleiten.
Der Anblick der weißen Tauben vor blauem Himmel ist zweifellos ein magischer Moment, der nicht nur das Brautpaar, sondern auch die Gäste tief berührt. Und wenn ihr euch für einen seriösen Züchter entscheidet und die Rahmenbedingungen stimmen, könnt ihr diesen Moment mit gutem Gewissen genießen.